Studie zu den Auswirkungen eines Verbots der telemedizinischen Cannabis-Verschreibung und des Versandhandels auf die Gesetzlichen Krankenversicherungen
Die Studie untersucht, welche finanziellen Folgen das geplante Verbot der telemedizinischen Verschreibung und des Versandhandels von medizinischem Cannabis für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hätte. Im Gesetzesentwurf wird von Kostenneutralität ausgegangen – unsere Analyse zeigt jedoch, dass derzeit Einsparungen in Milliardenhöhe für die GKV auf dem Spiel stehen und zugleich der Zugang für Patient:innen erschwert würde.
Methodischer Ansatz
Die Kostenanalyse folgt einem Bottom-up-Ansatz: Zunächst wird der tatsächliche Markt für medizinisches Cannabis anhand von Importstatistiken, Preisen und Patient:innenzahlen rekonstruiert. Anschließend werden Therapie- und Behandlungskosten mit und ohne Verbot verglichen. Dafür nutzen wir u. a. Webscraping von Online-Apothekenpreisen, eine eigene Apotheken-Marktstudie, GKV-Erstattungssätze (Hilfstaxe) sowie ärztliche Abrechnungsziffern (EBM).
Das Wichtigste in Kürze
Die geplanten Änderungen gefährden aktuelle Einsparungen der GKV aus der Versorgung mit medizinischem Cannabis in Höhe von insgesamt rund 2,9 Mrd. € pro Jahr. Diese setzen sich wie folgt zusammen:
- 1,5 Mrd. € Preiseffekt entstehen, weil mit dem Wegfall des günstigen Versandhandels die GKV im Schnitt rund 21,16 €/g statt etwa 6,49 €/g online bzw. 14,08 €/g in Vor-Ort-Apotheken zahlen müsste.
- 1,3 Mrd. € Kostenverlagerung würden sich ergeben, weil bisherige Selbstzahler:innen mit ihrer Cannabistherapie vollständig in die GKV wechseln würden.
- 23 Mio. € zusätzliche Arztkosten pro Jahr entstehen durch mindestens 650.000 zusätzliche Konsultationen infolge der Pflicht zum persönlichen Arztkontakt.
Darüber hinaus weist die Studie auf nicht-monetarisierte Risiken hin, etwa eine mögliche Verlagerung in den illegalen Markt und zusätzliche Belastungen im ambulanten Bereich.
Fazit
Die Studie zeigt, dass Einsparungen für die GKV in einer Größenordnung von rund 2,9 Mrd. € pro Jahr zur Disposition stehen würden, wenn der Referentenentwurf umgesetzt wird. Neben den quantifizierten Effekten verweisen die Ergebnisse auf nicht-monetarisierte Risiken für die Versorgung, etwa mögliche Marktverlagerungen oder zusätzliche Belastungen im ambulanten Bereich. Insgesamt deutet die Analyse darauf hin, dass der Entwurf zentrale wirtschaftliche Vorteile des MedCanG infrage stellt und die bislang erreichten strukturellen Entlastungen abschwächen könnte.
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